Wer hat Lust auf TACOs?
Auf einmal scheint die ganze Aufregung um Grönland wie der berühmte Sturm im Wasserglas. US-Präsident Donald Trump poltert und droht, versetzt Märkte und Hauptstädte in Panik – und lässt es am Ende doch nicht zum Äußersten kommen. Ein klassischer Fall von TACO, wie er auch schon im vergangenen Jahr zu sehen war. Die Abkürzung steht für „Trump Always Chickens Out“, zu deutsch etwa: Trump kneift, wenn es ernst wird.
Kein Wort ist mehr davon zu hören, dass die USA unbedingt Grönland besitzen müssen, um den Weltfrieden zu sichern. Auch die Zölle sind vom Tisch, nachdem Trump und Nato-Generalsekretär Rutte eine Vereinbarung getroffen haben, die auch ohne das ganze Tamtam wohl möglich gewesen wäre. Denn was zu dem „Framework“ zu lesen ist, klingt alles sehr vernünftig. Die USA dürfen ihren „Golden Dome“ bauen, die Nato verstärkt ihre Präsenz, China und Russland bleiben außen vor.
Die Märkte reagierten auf die Einigung mit großer Erleichterung. Ein Großteil der Verluste der vergangenen Tage wurde wieder ausgeglichen (siehe Grafik). Also viel Lärm um nichts?
Nein, ganz im Gegenteil. Dass der Goldpreis kaum gesunken ist, ist ein Warnsignal und ein Zeichen des Misstrauens. Er zeigt die Suche nach Absicherung in einer Welt an, die sich gerade neu sortiert. Der lange Zeit als Stabilisator geltende Handel ist zur politischen Waffe geworden, alte Bündnisse zählen nicht mehr.
Die Folgen der Grönland-Krise
Was diese Entwicklung für Europa heißt, wurde schon vielfach gesagt. Der kanadische Premierminister Mark Carney brachte es in einer seiner Davos-Rede gut auf den Punkt: Souveränität bedeutet in dieser neuen Weltordnung, dass man die Fähigkeit besitzt, sich dem Druck anderer zu widersetzen. Das heißt: Europa muss seine Abhängigkeit von den USA (und natürlich auch von China) lösen – militärisch, technologisch und wirtschaftlich. Dass der Mercosur-Deal erst einmal verschoben wurde, ist hier das völlig falsche Zeichen.
Aber nicht nur Europa muss sich auf die nächste Krise vorbereiten, sondern auch wir als Anleger. Die Grönland-Krise wird nicht Trumps letzter Auftritt gewesen sein. Aus den turbulenten Tagen können Anleger mitnehmen:
- Gold gehört ins Depot: Es hat auch in der Grönland-Krise wieder als zuverlässige Absicherung funktioniert.
- Das Wechselkurs-Risiko bleibt hoch: Der Dollar wertete im Zuge des Konflikts stark gegenüber dem Euro ab. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Neue Aktionen Trumps werden das Vertrauen in die USA weiter bröckeln lassen. Dazu kommt die lockere Geldpolitik der Fed, die sich abzeichnet. Schon 2025 hat der schwache Dollar einen guten Teil der Gewinne mit US-Aktien aufgefressen.
- Eine breitere geografische Diversifizierung ist wichtig: Anleger können nicht mehr ausschließlich auf den MSCI World setzen. Der US-Anteil mit fast 70 Prozent ist zu hoch. Eine Ergänzung um einen Schwellenländer-ETF und einen Europa-ETF ist sinnvoll.
- Reserven haben: Turbulenzen bieten oft gute Kaufgelegenheiten.
- Nicht panisch werden: Trump kann Krisen mit nur einem Tweet provozieren. Genauso schnell kann er sie auch wieder verschwinden lassen. Ruhe zu bewahren ist deshalb wichtig für Anleger. Das fällt umso leichter, wenn sie keine übertriebenen Risiken eingehen. Hohe Renditechancen durch einen hohen Aktienanteil sind zwar schön. Wer aber bei Kursschwankungen wie während der Grönland-Krise nervös wird und aus Angst um sein Vermögen schlaflose Nächte hat, sollte sich seine Allokation einmal anschauen.