Kommt heute Abend die Wende für die Märkte?
An den Märkten hält die schlechte Stimmung an. Nasdaq und S&P 500 schlossen im Minus, der Dax fiel mit 23.181 Punkten auf das tiefste Niveau seit Juni. Damit rückt nun die Marke von 23.000 Zählern in den Fokus der Anleger. Seit Mai hat der Dax diese Schwelle nicht mehr unterschritten.
Auffällig: Kaum noch jemand nutzt die fallen Kurse zum Einstieg. "Buy The Dip" ist gerade kein Thema. Offenbar warten viele Anleger jetzt lieber an der Seitenlinie lieber erstmal ab, wie es mit der KI-Story weitergeht. Niemand will in das sprichwörtliche fallende Messe greifen.
Die angespannte Lage verdeutlichte gestern die Meldung, dass Nvidia bis zu zehn Milliarden-Dollar in Anthropic – vor allem bekannt für das KI-Modell Claude – investieren wird. Microsoft gibt bis zu fünf Milliarden Dollar. Im Rahmen dieser Vereinbarung wird Anthropic Azure-Rechenkapazitäten im Wert von 30 Milliarden Dollar erwerben. Soweit alles wie bisher.
Im Gegensatz zu mehreren kürzlich abgeschlossenen KI-Deals, die zu einem sofortigen Kursanstieg führten, gab es dieses Mal jedoch keine Reaktion auf den Aktienkurs beider Unternehmen nach Bekanntgabe dieser Nachricht. Microsoft verlor mit 2,7 Prozent sogar stärker als der Rest des Marktes. Dies zeigt, wie sich die Stimmung in den letzten Wochen zunehmend negativ entwickelt hat, da die KI-Deals mit zunehmender Vorsicht betrachtet werden, da die Diskussion um eine mögliche Blase an Fahrt gewonnen hat.
Bringen die Nvidia-Zahlen die Wende?
Ich sehe gerade zwei Katalysatoren, die zu einem Stimmungsumschwung an den Märkten führen könnten. Der eine sind die Nvidia-Zahlen, die heute Abend (Mittwoch) veröffentlicht werden. Sie werden Wellen schlagen. Nvidia steht im Zentrum des weltweiten KI-Booms. Die Marktkapitalisierung von Nvidia ist ungefähr doppelt so hoch wie das aller vierzig Dax-Unternehmen zusammen. Seit dem Peak im Oktober haben die Aktien allerdings bereits 12,4 Prozent verloren.
Die Quartalszahlen von Nvidia dürften erneut stark ausfallen, soviel lässt sich sagen. Entscheidend wird der Ausblick sein. Wenn Nvidia-Chef Jen-Hsun Hang zeigen kann, dass die Nachfrage nach Chips weiterhin stark ist und die KI-Story somit intakt ist, könnte das eine (kleine) Erleichterungsrallye an den Märkten auslösen. Die Anleger wollen ein Zeichen der Zuversicht von Nvidia haben, dass das Wachstum im KI-Sektor nicht vor einem abrupten Ende steht. Dafür muss der Ausblick auf die nächsten Quartale aber wirklich sehr überzeugend sein. Selbst sehr gute Quartalszahlen wurden von Anlegern in der laufenden Berichtssaison zum Anlass genommen, Gewinne mitzunehmen.
Der zweite Katalysator ist die Fed. Die Ursache für die schlechte Stimmung an den Märkten liegt auch darin, dass die von den Märkten erwartete Zinssenkung im Dezember womöglich doch nicht kommt. Darauf deuteten zumindest die letzten Kommentare vieler Fed-Mitglieder hin. So war Fed-Vizepräsident Philip Jefferson der Ansicht, dass die US-Notenbank bei weiteren Zinssenkungen vorsichtig vorgehen sollte, damit die Bemühungen zur Inflationsbekämpfung nicht untergraben werden.
Nun werden aber in den nächsten Tagen eine Reihe von Wirtschaftsdaten veröffentlicht, die wegen des Shutdowns nicht erscheinen konnten. Den Anfang macht morgen der Arbeitsmarkt-Bericht für September. Sollten sich darin Anzeichen finden, dass die Lage schlechter ist als gedacht, könnten die Chancen für eine Zinssenkung im Dezember wieder steigen. Für die Märkte wäre das ein positiver Impuls. Sollte der Bericht jedoch unerwartet gut ausfallen, würde sich die schlechte Stimmung an den Märkten erstmal verfestigen.