Die Nadeln für die KI-Blase
Nach dem Absturz der Oracle-Aktie als Reaktion auf die jüngsten Quartalszahlen stellt sich die Frage nach einer KI-Blase dringender denn je. Offenbar schauen die Investoren inzwischen genauer hin. Einfach nur gigantische Investitionsprojekte anzukündigen, reicht nicht mehr. Sie wollen nun auch Zeichen dafür sehen, dass sich diese Ausgaben rechnen.
Bei Oracle haben die Anleger offensichtlich deutliche Zweifel: Die Aktie hat seit September rund 40 Prozent verloren. Allein nach der Vorlage der Quartalszahlen ging es um elf Prozent nach unten. Oracle könnte sich bei seiner KI-Wette tatsächlich übernommen haben. Die Verschuldung ist deutlich gestiegen.
Bisher scheinen die Anleger jedoch noch genau hinzuschauen und nicht blind alles mit KI-Bezug zu verkaufen. Dennoch sieht es stark danach aus, als würde derzeit aussortiert. „Diese Aktien korrigieren nicht, weil die Wachstumsrate sinkt“, sagt Sameer Bhasin, Geschäftsführer bei Value Point Capital. „Diese Aktien korrigieren, wenn sich die Wachstumsrate nicht weiter beschleunigt.“

Ich möchte in diesem Text die Frage „KI-Blase – ja oder nein?“ einmal aus einem anderen Blickwinkel beleuchten, so wie es die Deutsche Bank getan hat. Die Experten dort fragten: „What could go wrong?“ – also: Was könnte eine mögliche KI-Blase - außer Zweifeln am Sinn der hohen Ausgaben - zum Platzen bringen?
Dazu präsentierten sie einige spannende Grafiken.
Gefahr eins: Die KI-Firmen sind untereinander eng verwoben. Sie investieren ineinander und kaufen voneinander. Ein Beispiel: Nvidia und Microsoft haben in Anthropic investiert. Die KI-Firmen wiederum kaufen Chips bei Nvidia. Die Deutsche Bank hat in einer Grafik versucht, diese Verflechtungen darzustellen. Im besten Fall entsteht daraus ein gewaltiges Schwungrad. Ein passenderes Bild könnte jedoch auch der „Jenga“-Turm sein: Obwohl die Zahl der Klötzchen nicht steigt, wächst der Turm durch geschicktes Stapeln immer höher – bis er irgendwann zusammenbricht.

Gefahr zwei: Steigende Energiepreise bremsen oder verteuern den Ausbau. KI-Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Energie. Der Bedarf ist deutlich gestiegen – und damit auch die Preise.

Gefahr drei: Noch sorgt das politische Umfeld für Rückenwind bei den KI-Firmen. Vor allem US-Präsident Donald Trump unterstützt den Ausbau. Doch was passiert, wenn der Wind dreht? Die Akzeptanz in der Bevölkerung lässt nach – aus Angst vor Jobverlust, möglicherweise bald auch wegen steigender Energiepreise. Hält dieser Trend an, ist es vorstellbar, dass auch die Politik genauer hinschaut und die KI-Firmen mit strengeren Regeln ausbremst.
