Die Auswahl der besten Aktien reicht bei der Geldanlage nicht aus

Die Auswahl der besten Aktien reicht bei der Geldanlage nicht aus

Nehmen wir Tennis: Vereinfacht gesagt können Spieler auf zwei Arten punkten. Entweder mit starken Schlägen, die der Gegner nicht erreichen kann. Oder durch Fehler des Gegners. Durch eine kleine Unkonzentriertheit schlägt er den Ball ins Netz oder ins Aus. Asse und Volleys sehen zwar spektakulär aus. Oft sind es aber die so genannten „unforced errors“, die das Spiel entscheiden. Es gewinnt derjenige Spieler, der weniger unnötige Fehler macht.

Bei der Geldanlage ist das Vermeiden von Fehlern ähnlich wichtig für den Erfolg. Erfolgreich Vermögen aufbauen oder vor­handenes Vermögen bewahren ist nicht nur eine Frage des „Was tun?“, sondern auch eine Frage von „Was nicht tun?“, „Was unter­lassen?“, „Was beenden?“

Gerd Kommer nannte es in einem Blog-Beitrag das „Via Negativa-Prinzip“. „Via Negativa“ heißt soviel wie „der negative Weg“ oder „der Weg des Vermeidens“. Kommer schreibt: „Das Via-Negativa-Prinzip besagt im Wesent­lichen, dass der kumulative finanzielle und auch sonstige Erfolg in unserem Leben – so wie er sich zu einem bestimmten Lebens­alter darstellt – eben nicht nur davon bestimmt wird, was wir bis zu diesem Zeitpunkt Schlaues, Richtiges und Gutes getan haben, sondern genauso - oder vielleicht sogar mehr - davon, was wir Dummes, Falsches und Schlechtes unter­lassen oder beendet haben.“

Schön brachte es auch einmal der amerikanische Statistiker, ehemalige Berufs­pokerspieler und Rat­geber­buch-Autor Nate Silver auf den Punkt: „Die 20 wirklich dummen Entscheidungen, die wir in unserem Leben treffen, schaden uns mehr, als die 20 Prozent wirklich smarten Entscheidungen uns helfen.“

Erfolg an der Börse ist ein Marathon

Erfolgreiches Investieren ist eben meist weniger das Ergebnis von einzelnen klugen Entscheidungen, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Es reicht nicht, einmal richtig gelegen zu haben. Die Börse führt den Anleger fortlaufend in Versuchung. Überall warten scheinbare Chancen darauf, ergriffen zu werden: Aktien und Trends locken mit hohen Renditen. Die Gewinne aus der einer richtigen Entscheidung können so schnell wieder weg sein, und aus einem Depot im Plus wird ein Depot im Minus.

Es erfordert Disziplin und Stärke, hier immer wieder „Nein“ zu sagen und seinem Weg treu zu bleiben. Erfolgreicher Vermögensaufbau hängt nicht nur von der Investment-Rendite ab, also von der Entscheidung, wie wir investieren wollen, sondern auch von der Investoren-Rendite. Hiermit ist unser Verhalten als Anleger gemeint. Lassen wir uns verführen und haben wir unsere Gefühle nicht im Griff, gefährden wir damit den Erfolg.

Zu den wichtigsten Fehlern, die beim Investieren zu vermeiden sind, gehören zum Beispiel

  • Gier und Panik seine Entscheidungen bestimmen lassen
  • Kursprognosen oder andere Prognosen von „Experten“ oder von sich selbst zur Grundlage der eigenen Investment­-Entscheidungen machen
  • Auf aktuelle Trendthemen zu setzen
  • Aktientipps zu vertrauen
  • Klumpenrisiken in seinem Depot zu ignorieren
  • Sich von hohe Renditeversprechen verführen zu lassen
  • Sein eigenes Gespür zu überschätzen (overconfidence bias, hindsight bias)

Doch über das Vermeiden von Fehlern ist häufig wenig zu lesen. In Zeitschriften, Börsen-Portalen und Social Media-Posts geht es fast immer um „Gewinne machen“ und „reich werden“ und weniger um „wie verhindere ich, dass ich Geld verliere oder ärmer werde?“.

Es gilt: Wer das Via-Negativa-Prinzip ernst nimmt und in seinen monetären Entscheidungen umsetzt, wird damit seinen finanziellen Erfolg erhöhen. Oder, um es in den Worten von Warren Buffett zu sagen: „Du musst nur ein paar Dinge richtig in deinem Leben machen, solange du nicht zu viele Dinge falsch machst.“

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