Das ging bei Silber gerade nochmal gut

Das ging bei Silber gerade nochmal gut
Quelle: Getty

Der Goldpreis hält sich trotz einer kleinen Korrektur auf seinem Rekordniveau bei 5000 Dollar und auch Silber notiert weiter dreistellig - obwohl es am Montag mal kurzeitig ziemlich über aussah. Um fast zehn Prozent stürzte der Silberpreis im Tagesverlauf ab, bevor er sich wieder erholte (dazu später mehr).

Der jüngste Aufwärtstrend beim Silberpreis erinnert in seiner Dynamik mittlerweile stark an die massiven Rallyes im Kryptosektor. Zieht man die Schübe von Bitcoin aus den Jahren 2020-21 oder 2022–25 als Vergleich heran, scheint ein Anstieg auf über 200 Dollar pro Unze – und damit eine erneute Verdopplung des Preises – durchaus im Bereich des Möglichen.

Historische Parallelen beim Gold-Silber-Verhältnis

Sollte der Goldpreis bei etwa 5100 Dollar verharren, würde dies das Gold-Silber-Verhältnis auf etwa 25x drücken. Ein solches Niveau markiert einen signifikanten historischen Wendepunkt: Es wurde zuletzt in den 1970ern und frühen 80ern erreicht und würde den realen Silberpreis nahe an sein damaliges Rekordhoch bringen.

Warum der Vergleich mit Krypto hinkt

Trotz der optischen Ähnlichkeit der Preiskurven ist der Vergleich mit Kryptowährungen aus fundamentaler Sicht problematisch.

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Außer einer ähnlichen Marktpsychologie („Manie“) gibt es kaum Gemeinsamkeiten. Investoren sollten zudem die Schattenseiten der Geschichte nicht ignorieren:

  • Nach dem Hoch der frühen 80er folgte ein drastischer Absturz.
  • Innerhalb eines Jahres verlor Silber fast 70 Prozent an Wert, nach zwei Jahren waren es über 80 Prozent.
  • Historisch gesehen besteht also das Risiko, dass die Preise nach einer Verdopplung am Ende sogar unter das heutige Niveau zurückfallen könnten.

Angesichts hoher Haushaltsdefizite und einer im Vergleich zu den 80ern deutlich höheren Schuldenlast ist die Flucht in Sachwerte wie Edelmetalle zwar eine logische Konsequenz. Aktuell hat sich die Kaufkraft einer Unze Silber im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.

Die industrielle Belastungsgrenze

Langfristig könnte der Erfolg des Silbers jedoch sein eigenes Wachstum bremsen. Da über die Hälfte der Nachfrage aus der Industrie stammt, haben die hohen Preise spürbare Folgen:

  1. Substitution im Solarsektor: Silber wird zu einem zu teuren Kostenfaktor für Photovoltaik-Hersteller, was die Entwicklung günstigerer Alternativen massiv beschleunigt.
  2. Nachfragerückgang: Im Bereich Schmuck und Silberwaren sorgt das hohe Preisniveau bereits jetzt für eine spürbare Zurückhaltung der Käufer.

Warnsignale für eine baldige Korrektur sind für mich die heftigen Kursschwankungen, die wir gerade sehen. Am Montag zum Beispiel schoss Silber fast zehn Prozent in die Höhe und gab alle Gewinne wieder ab.

Das zeigt für mich: Bei all den guten Argumenten, die gerade für Edelmetalle sprechen wie Inflationsängste, Staatsverschuldung und der Wunsch nach Sicherheit, ist der Anstieg bei Silber gerade definitiv stark spekulativ geprägt. Die Gier übernimmt. Wer nicht zocken will, sondern sich Silber als langfristige Absicherung ins Depot legen möchte, agiert am besten vorsichtig: Nicht alles auf einmal investieren, sondern in Tranchen das geplante Budget ausgeben. Wenn es weiter nach oben geht, ist man dabei. Wenn es runter geht, sind noch Reserven zum Nachkaufen da.

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