Das gefährliche Schuldenspiel der USA
Wer Anzeichen dafür sucht, dass wir auf eine Systemkrise zusteuern, muss gerade nicht lange suchen. Die Renditen für Staatsanleihen steigen weltweit an. Sie erreichen Niveaus, die schon lange nicht mehr zu sehen waren, und das alles bei einer Verschuldung auf Rekordniveau (siehe Titelgrafik).
In den USA haben die steigenden Renditen schon erste Konsequenzen. Kurzfristig mildern sie die Folgen des Renditeanstiegs ab. Langfristig kann aber alles noch schlimmer werden.
Wovon ich rede: Das US-Finanzministerium begibt immer mehr Anleihen mit kurzer Laufzeit, sogenannte T-Bills. Laut Steven Blitz, US-Chefökonom und langjähriger Anleiheexperte beim unabhängigen Researchhaus TS Lombard, ist der Anteil der T-Bills an den ausstehenden US-Staatsschulden – Rezessionen ausgenommen – so hoch wie seit Mitte der 1980er-Jahre nicht mehr.
Und er wächst weiter. Die US-Bank Goldman Sachs geht davon aus, dass sich das Emissionsvolumen von T-Bills in diesem Jahr mehr als verdoppeln könnte: auf 827 Milliarden Dollar nach knapp 360 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Seit 2014 hat sich das Schuldenportfolio der USA dadurch deutlich verschoben. Der Anteil der mittelfristigen Treasury-Notes fiel von 67 auf 52 Prozent. Der Anteil der kurzfristigen T-Bills stieg im selben Zeitraum von 13 auf 22 Prozent.