Börsengang SpaceX naht: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Zwar dominierte der Iran-Krieg in den letzten Wochen die Schlagzeilen – und wird es auch noch eine Weile tun –, das bedeutet aber nicht, dass alles andere zum Stillstand gekommen ist. Wichtige Börsenereignisse schreiten voran. Die Börsengänge von OpenAI und Anthropic werden erwartet, und ganz konkret gibt es Fortschritte bei einem der größten IPOs der letzten Jahre: dem Listing von SpaceX. Es könnte sogar der größte Börsengang aller Zeiten werden.
Wie es heißt, hat das Unternehmen von Milliardär Elon Musk inzwischen eine vertrauliche IPO-Anmeldung für eine Aktienplatzierung bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Hier erfährst du, was bisher zum Börsengang von SpaceX geplant ist.
Für wann ist der Börsengang von SpaceX geplant?
Im Juni oder Juli könnte es so weit sein. Allerdings können sich die Pläne auch kurzfristig ändern – je nachdem, wie die Stimmung an der Börse gerade ist. Ist die Risikobereitschaft eher gering, ist es gut möglich, dass der Börsengang verschoben wird.
Wie groß wird der Börsengang?
Geplant ist ein Emissionsvolumen in Höhe von 75 Milliarden Dollar. Im Erfolgsfall würde SpaceX damit Geschichte schreiben. Es würde der größte Börsengang aller Zeiten werden und damit den bisherigen Rekord von Saudi Aramco brechen. Der saudi-arabische Ölkonzern hatte im Jahr 2019 rund 30 Milliarden Dollar durch seinen Börsengang erlöst.
Wie hoch wird SpaceX bewertet?
SpaceX spielt bei der Bewertung bereits in der obersten Börsenliga mit; sie liegt im Billionenbereich. Die Schätzungen schwanken zwischen 1,25 und 1,75 Billionen Dollar. Zuletzt hatte die Bewertung von SpaceX durch die Fusion mit xAI noch einmal einen Sprung gemacht. Damit positioniert sich das Unternehmen nicht mehr nur als Raumfahrtfirma, sondern als „Space- & AI-Konglomerat“. Die hohe Bewertung wird zudem durch Starlink gestützt. Der Internetanbieter hat die Marke von zehn Millionen Abonnenten überschritten und erwirtschaftet mittlerweile Milliardenprofite.

Was ist das Besondere an diesem Börsengang?
Ein ungewöhnlicher Aspekt dieses IPOs ist die geplante Einbeziehung von Privatpersonen. Es wird spekuliert, dass bis zu 30 Prozent der Aktien für Privatanleger reserviert werden könnten – normalerweise liegt dieser Anteil bei Börsengängen eher bei fünf bis zehn Prozent. Offenbar ist für Juni ein großes Event für rund 1.500 ausgewählte Kleinanleger geplant, um den „Roadshow“-Prozess zu unterstützen. Zum Ausgabepreis der Aktien ist bisher jedoch noch nichts bekannt.
Eine zweite Besonderheit ist, dass SpaceX eine Dual-Class-Struktur anstrebt. Das bedeutet, dass Elon Musk weiterhin einen Großteil der Stimmrechte behält. Anleger sind somit zwar wirtschaftlich beteiligt, haben aber nur begrenzten Einfluss auf Unternehmensentscheidungen.
Wie genau verdient SpaceX eigentlich Geld?
Elon Musk verfolgt mit SpaceX ein ambitioniertes Ziel: die Besiedlung des Mars. Doch neben dem klassischen Geschäft mit Raketenstarts sowie Regierungs- und Versorgungsmissionen zur Internationalen Raumstation (ISS) gewinnt vor allem ein Bereich zunehmend an Bedeutung: Starlink.
Das globale Satelliten-Internetnetzwerk ist heute die wichtigste Einnahmequelle des Unternehmens. Es gilt als der „Cashflow-Motor“, der die teuren Starship-Missionen zum Mars und den Aufbau orbitaler Rechenzentren für die KI finanzieren soll. Starlink bietet kostenpflichtigen Internetzugang für Privatkunden, Unternehmen, Fluggesellschaften und militärische Nutzer. Zusätzlich werden Hardware-Komponenten wie Satellitenschüsseln verkauft. Schätzungen zufolge könnte Starlink bis 2026 rund 70 Prozent der gesamten Einnahmen ausmachen (AviationOutlook). Bereits 2025 lag der Umsatz laut Reuters bei etwa 15 bis 16 Milliarden Dollar – bei einem Gewinn von rund acht Milliarden. Für 2026 wird ein weiterer Anstieg auf 22 bis 24 Milliarden Dollar erwartet.

Ist das Musks größter strategischer Vorteil?
SpaceX verbindet seine Geschäftsbereiche zu einem integrierten System. Eigene Raketen bringen die Starlink-Satelliten ins All, während die Einnahmen aus Starlink die Entwicklung neuer Technologien wie das Starship finanzieren und so die Startkosten weiter senken. Zusätzlich treibt Musk die Verzahnung mit künstlicher Intelligenz voran: Anfang des Jahres wurde das KI-Unternehmen xAI enger mit SpaceX verbunden. xAI wird laut Musk die „ambitionierteste, vertikal integrierte Innovationsmaschine auf (und außerhalb) der Erde bilden – mit KI, Raketen, Internet aus dem Weltall, direkten Verbindungen zu Handys und der führenden Echtzeit-Informations- und Freie-Rede-Plattform“.
Wie kann man schon vor dem Börsengang am Hype um SpaceX profitieren?
Ist ein Börsengang gut geplant, liegt die Erstnotiz meist über dem Ausgabepreis. Wer also die Aktien regulär über die Börse kauft, hat den ersten Kursgewinn oft bereits verpasst. Im Falle von SpaceX gibt es jedoch Möglichkeiten, schon jetzt indirekt zu investieren:
- ARK Private Innovation ELTIF: Das Berliner Fintech NAO kooperiert mit ARK Invest. Der Fonds von Cathie Wood ist unter anderem an SpaceX beteiligt. Über diesen ELTIF (European Long-Term Investment Fund) erhalten Anleger Zugang zu SpaceX-Anteilen. Gleichzeitig kann man darüber auch in Firmen wie OpenAI, Databricks und Anthropic investieren.
- Destiny Tech100 (ISIN US25063F1075): Ein an der Börse handelbarer Fonds, der ein Portfolio aus Top-Start-ups hält – SpaceX ist hier oft die größte Position.
- EchoStar (ISIN US2787681061): Das Unternehmen hat sich im letzten Jahr (2025/26) von einem kriselnden Satelliten-Urgestein zu einer Art „Hebel-Zertifikat“ auf SpaceX gewandelt. Der Grund: EchoStar hat Funkfrequenzen (Spektrum) für rund 20 Milliarden Dollar an SpaceX verkauft. Ein großer Teil dieser Summe wurde nicht in bar, sondern in SpaceX-Aktien beglichen.
- Scottish Mortgage Investment Trust (ISIN GB00BLDYK618): Der britische Investment-Trust der Fondsgesellschaft Baillie Gifford ist seit Jahren der Klassiker für private SpaceX-Investoren. SpaceX ist aktuell die größte Position im Portfolio (ca. 15,5 bis 16 Prozent des Gesamtvermögens). Anders als ein normaler Fonds ist SMT eine Aktiengesellschaft, die selbst an der Börse gelistet ist. Man kauft also eine Aktie, die wiederum Anteile an SpaceX und anderen Firmen wie Stripe hält.
Lohnt sich eine Beteiligung an SpaceX?
SpaceX ist mit Sicherheit eines der spannendsten und ambitioniertesten Unternehmen unserer Zeit. Allerdings kommt der Börsengang zu einem relativ späten Zeitpunkt. Mit einer Bewertung von mehr als einer Billion Dollar ist SpaceX bereits extrem hoch bepreist. Da stellt sich die Frage, woher das künftige Wachstum kommen soll, das für nachhaltige Kursanstiege sorgt. Natürlich mangelt es Elon Musk nicht an Visionen, und er ist ein Meister darin, Hoffnung und Fantasie zu wecken. Allerdings zeigte sich zuletzt bei Tesla, dass er seine Ankündigungen und Versprechen oft nicht im geplanten Zeitrahmen halten kann. Aus meiner Sicht ist es sinnvoller, sich an einem ETF zu beteiligen (siehe unten), wenn man von den Chancen der „Space Economy“ profitieren will. So lassen sich die Risiken besser streuen. Auch ein solcher ETF sollte jedoch nur eine Depot-Beimischung sein.
Wie erhalten Anleger noch Zugang zur „Space Economy“?
Es gibt bereits eine ganze Reihe von Unternehmen, die – anders als SpaceX – schon heute an der Börse gelistet sind. Man unterteilt diese meist in die „jungen Wilden“ (NewSpace) und die etablierten Luft- und Raumfahrtriesen. Die NewSpace-Unternehmen konzentrieren sich fast ausschließlich auf das Weltraumgeschäft:
- Rocket Lab (ISIN US7731211089): Gilt als der aktuell stärkste SpaceX-Konkurrent an der Börse. Sie führen regelmäßig Starts mit ihrer Electron-Rakete durch und stehen kurz vor dem Launch der größeren Neutron-Rakete. Zudem sind sie ein bedeutender Zulieferer für Satellitenkomponenten.
- Intuitive Machines (ISIN US46125A1007): Spezialisiert auf Mondlandungen und lunare Infrastruktur. Nach ihren erfolgreichen Missionen (Odysseus) sind sie der führende private Partner der NASA für den Transport von Fracht zum Mond.
- AST SpaceMobile (ISIN US00217D1000): Das „Starlink für das Smartphone“. Sie bauen eine Konstellation auf, um Mobilfunk direkt vom Weltraum auf normale Handys zu bringen – ohne Spezialantenne.
- Planet Labs (ISIN US72703X1063): Der Weltmarktführer bei der Erdbeobachtung. Hunderte kleine Satelliten fotografieren täglich die gesamte Erdoberfläche und verkaufen diese Daten an Regierungen und Firmen.
- Virgin Galactic (ISIN US92766K4031): Bietet suborbitale Flüge für Touristen an. Es ist jedoch ein sehr volatiles Investment, da das Geschäftsmodell extrem von der Sicherheit und der Frequenz der Flüge abhängt.
Wer ein Einzelinvestment scheut: Viele dieser Aktien finden sich im VanEck Space Innovators UCITS ETF (ISIN IE000YU9K6K2) wieder.
Die etablierten Konzerne sind riesig und in vielen Branchen (Verteidigung, Luftfahrt) aktiv, halten aber entscheidende Marktanteile im Weltall:
- Airbus (ISIN NL0000235190): Für europäische Anleger besonders relevant. Airbus baut nicht nur Flugzeuge, sondern ist einer der größten Satellitenhersteller weltweit und maßgeblich am Bau des europäischen Servicemoduls für die NASA-Mondmissionen beteiligt.
- Lockheed Martin (ISIN US5398301094) & Northrop Grumman (ISIN US6668071029): Die US-Schwergewichte. Sie bauen die Orion-Kapsel für die NASA sowie militärische Aufklärungssatelliten und sind Partner bei fast jedem großen Deep-Space-Projekt.
- Boeing (ISIN US0970231058): Trotz der Probleme in der Vergangenheit bleibt Boeing mit dem Starliner und der Beteiligung an der Mega-Rakete SLS (Space Launch System) ein zentraler Akteur.