Bei der Fed gibt Trump nicht auf

Bei der Fed gibt Trump nicht auf
Quelle: Imago

Wer Anfang der Woche meinen Money-Call gesehen hat, weiß, dass die Fed für mich im Jahr 2026 einer der Hauptakteure sein wird – noch mehr als sonst. Denn es steht die Berufung eines neuen Vorsitzenden an. Die Amtszeit von Jerome Powell endet im Mai. Es gibt nur noch wenige Zweifel daran, dass Kevin Hasset an die Spitze der Fed rücken wird. Er gilt als loyaler Gefolgsmann Trumps und hat bereits mehrfach geäußert, was die Fed aus seiner Sicht tun sollte: die Zinsen senken.

Besonders deutlich wurde dies in folgendem Zitat: „Die Amerikaner können erwarten, dass Präsident Trump jemanden auswählt, der ihnen zu günstigeren Autokrediten und leichterem Zugang zu Hypotheken bei niedrigeren Zinsen verhilft.“ Ich finde dieses Zitat so spannend, weil etwas Wichtiges nicht gesagt wird: eine stabile Währung und niedrige Inflation.

Nun kann Hasset natürlich nicht im Alleingang über die Geldpolitik bestimmen. Das Gremium, das darüber entscheidet, besteht aus zwölf Mitgliedern, und auch der Vorsitzende hat nur eine Stimme. Die große Frage ist also: Kann Trump sich die Mehrheit sichern und die Fed gefügig machen?

Bislang ist offen, was mit Lisa Cook und Jerome Powell passiert. Trump wollte Cook feuern, sie klagte und ist noch im Amt. Im Januar berät der Supreme Court nun den Fall. Powell hat bisher noch nicht entschieden, ob er dem Gremium weiterhin angehören will, auch wenn er den Vorsitz verliert. Sein Mandat gilt bis 2028, weshalb eine große Rolle auch den regionalen Zweigstellen der Fed zukommt. Sie halten fünf der zwölf Sitze im FOMC. Die Fed von New York ist gesetzt, die anderen vier rotieren im Jahreswechsel.

Spannend ist, dass Finanzminister Scott Bessent sich nun für eine neue Regelung ausspricht, nach der sich Kandidaten für den Posten als regionaler Fed-Präsident mindestens drei Jahre in dem entsprechenden Distrikt aufgehalten haben müssen, um sich zu qualifizieren. Das hört sich zunächst einmal harmlos an. Drei der aktuellen Fed-Präsidenten scheinen dieses Kriterium jedoch nicht zu erfüllen. Sollte es Bessent also gelingen, die neue Regelung durchzubringen, könnten die nächsten Entlassungen folgen. Zufälligerweise waren zuletzt vor allem aus den Reihen der regionalen Fed-Präsidenten die falkenhaftesten Töne zu hören ...

Kurz gesagt: Es mag sein, dass die meisten FOMC-Mitglieder derzeit noch unbeeindruckt vom Druck aus dem Weißen Haus scheinen. Doch wird die US-Regierung einen solchen Zustand akzeptieren? Ich glaube nicht.

Kurzfristig ist jedoch erst einmal die Fed-Sitzung am 10. Dezember wichtig. Eine Zinssenkung ist so gut wie sicher. Spannend wird sein, welchen Ausblick Jerome Powell geben wird. Es ist möglich, dass die US-Notenbank die Zinsen senkt, aber keine Hinweise auf weitere Schritte gibt. Die Probleme, die den Kapitalmarkt im November erschüttert haben, bestehen weiterhin. Sie werden lediglich durch die Zinsfantasie überdeckt. Sollte die Tür für weitere Zinssenkungen geschlossen werden, könnte das die stimmungsgetriebenen Märkte empfindlich treffen.

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