Auf den Gold-Boom folgt der Dollar-Kollaps

Auf den Gold-Boom folgt der Dollar-Kollaps

„Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts passiert; und es gibt Wochen, in denen Jahrzehnte passieren.“ Wenn ich auf die Märkte schaue, kommt mir dieser Spruch in den Sinn, der Lenin zugeschrieben wird. Ich weiß, man sollte immer vorsichtig sein, gerade an der Börse. Schnell können sich die Dinge auch wieder ändern. Aber aktuell schaue ich mit einer – wie könnte man es nennen? Fassungslosigkeit, Unglauben, Staunen? – auf die Kurse.

Bei mir verfestigt sich immer stärker der Eindruck, dass etwas im Finanzsystem ins Rutschen gekommen ist. Der Goldpreis steigt und steigt. Und nun dieser Kollaps beim Dollar: Massiv hat er in den vergangenen Tagen gegenüber dem Euro und anderen Währungen verloren. Der Wechselkurs zum Euro sank am Dienstag auf den niedrigsten Stand seit Juni 2021. In der Spitze kostete ein Euro 1,2081 Dollar.

Wenn ich mir die Geschehnisse in der Geopolitik anschaue, die Unsicherheit möglicher militärischer Konflikte, dazu die wirtschaftliche Unsicherheit – und in Kombination mit all dem den fulminanten Aufschwung der Edelmetalle –, schleicht sich bei mir der Gedanke ein, dass wir eine Art Flucht in sichere „Sachwerte“ am Finanzmarkt sehen. Also raus aus konventionellen Assets wie Währungen, Anleihen oder Ähnlichem und rein in Sachwerte wie Gold, Silber oder bis zu einem gewissen Grad auch Aktien (da diese Anteile an Unternehmen sind). Sichere Häfen scheinen nicht mehr Währungen im Fiat-System zu sein, wie Dollar, Yen oder Franken, sondern eher Edelmetalle und möglicherweise Unternehmensanteile.

Nach der Erschütterung des Vertrauens in die bestehenden Ordnungen im Handel und in der Geopolitik sind wir vermutlich mittlerweile beim Finanzsystem angekommen. Der US-Dollar dürfte dabei weiterhin eine der Währungen sein, die am stärksten unter der Vertrauenserschütterung leiden werden – schließlich ist er es, der bislang in der bestehenden Ordnung im Mittelpunkt stand; eine Abkehr hiervon würde ihn hart treffen.

Was mich vor allem beunruhigt, ist die Sorglosigkeit, mit der US-Präsident Donald Trump auf diese Entwicklung schaut. Gestern gab er dem Dollar noch einen kräftigen Schubs, als er die Schwäche als „great“ bezeichnete. Trump mag dabei vor allem an die Exportchancen der amerikanischen Konzerne gedacht haben. Aber er sieht nicht das ganze Bild.

Die USA haben einen gewaltigen Kapitalbedarf. Alleine dieses Jahr müssen sie acht Billionen Dollar an Schulden refinanzieren. Ein Dollar im Abwärtsstrudel hilft definitiv nicht dabei, Käufer aus dem Ausland anzulocken. Höhere Zinsen würden zwar die Anleihen attraktiver machen, aber das Finanzproblem des Staates weiter verschärfen. Muss die Fed für die nötige Nachfrage sorgen, ist Geld bald wirklich nur noch bedrucktes Papier.

Auch US-Aktien werden unattraktiver für Investoren aus dem Ausland, wenn Währungsverluste die Kursgewinne auffressen. Schon im letzten Jahr kostete der schwache Dollar Anleger aus dem Euroraum ordentlich Rendite.

Ich hoffe, dass ich alles gerade zu düster und skeptisch sehe. Wenn ich eins gelernt habe in den vielen Jahren an der Börse, dann, dass man sich nie zu sicher sein sollte. Vielleicht kommt Trump zur Besinnung. Aber im Moment fehlt mir die Zuversicht.

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