An den Märkten ist Historisches passiert
An den Märkten ist wieder Erleichterung angesagt. Zuvor hatten wir wirklich Historisches in der vergangenen Woche gesehen – ich weiß gar nicht, ob das jedem so klar war: Was sich an den Märkten nach den Nvidia-Zahlen abspielte, hatte es so bisher kaum gegeben. Eine Intraday-Umkehr von 3,5 Prozent gab es rückblickend auf 45 Jahre Daten (also 10.300 Handelstage) nur wenige Male: Tatsächlich kam es nur in 101 (also weniger als ein Prozent) Fällen zu einer Umkehr von mehr als 3,25 Prozent.
Was diesen Tag auch noch besonderer macht, ist die Tatsache, dass diese Umkehr erfolgte, nachdem der Markt mehr als 1,75 Prozent gegenüber dem vorherigen Schluss gewonnen hatte. Das ist seit 1985 nur 19-mal passiert. Und noch eine Zahl zur vergangenen Woche: Der S&P 500 schloss trotz seiner Gewinne unter der 50-Tages-Linie. Das war das erste Mal seit April (siehe Grafik). Damit endete ein Aufwärtstrend von 198 Tagen, der fünftlängste seit 1950.
Aber das ist nun alles Vergangenheit. Vielleicht war so eine Bereinigung auch gut. Lieber einmal ordentlich als immer nur so kleckerweise. Der Bitcoin legte jedenfalls über Wochenende deutlich zu, während Nasdaq und S&P 500 bereits am Freitag höher schlossen. Auch für den Dax geht es mit Gewinnen in die neue Woche.
Vermutlicher Auslöser: In einer vorbereiteten Rede am Freitag in Santiago, Chile, hatte John Williams, Präsident der Fed New York erklärt, dass die Risiken für die Beschäftigung zunehmend nach unten tendieren, während die steigenden Risiken für die Inflation weniger gravierend geworden seien. Die Märkte deuteten die Sätze so, dass eine Zinssenkung wieder wahrscheinlicher wird.
So lagen vor Rede die Wetten auf eine Zinssenkung im Dezember laut dem CME FedWatch Tool um etwa 45 Prozent. Nach Williams Äußerungen sehen die Märkte nun eine Wahrscheinlichkeit von 73 Prozent, dass die US-Zentralbank nächsten Monat die Zinsen senkt.
Ich muss gestehen, ich finde das alles zunehmend schwierig. Die Botschaft ist deutlich: Die Märkte sind abhängig vom billigen Geld der Fed geworden und die Notenbank selbst ein williger Helfer. Wie Charlie Bilello, Chief Market Strategist beim Vermögensverwalter Creative Planning, in seinem Blog schreibt: „Bei einer Inflation, wie wir sie heute sehen, sollte die Fed noch nicht einmal über eine Zinssenkung nachdenken. Aber die Fed verlor alle Glaubwürdigkeit, als sie die vor einigen Jahren die größten Inflationsanstieg seit den frühen 80er-Jahren als ,vorübergehend‘ abtat.“

Noch zwei weitere Charts von Charles Bilello möchte ich Dir mit in die neue Woche geben:
Die eine passt zu dem Thema von eben, nämlich die Geldpolitik der Fed. So sind die US-Schulden seit Juli um zwei Billionen Dollar gestiegen. Im Juli war die Schuldenobergrenze um fünf Billionen Dollar angehoben worden. Knapp die Hälfte ist schon weg. Das erklärt vielleicht so ein bisschen, warum die Fed im Moment mehr auf die Wirtschaft als auf die Geldstabilität schaut.

Die zweite Grafik: Viele Anleger lernen gerade, was es heißt, mit Hebel zu investieren. Wenn es nach oben geht, ist ein Hebel natürlich super. Allerdings wirkt er auch in die andere Richtung, wie der Aktienkurs von Strategy zeigt. Die Papiere von Strategy waren ja ein beliebtes Instrument, um „mit Hebel“ in Bitcoin zu investieren.
