43 ist der neue Rekord
Die Aussicht auf ein Ende des Shutdowns hatten die Börsen schon Anfang der Woche steigen lassen. Nun ist die Einigung tatsächlich da: Die bisher längste Schließung von Bundesbehörden ist nach 43 Tagen beendet. Präsident Trump unterzeichnete gestern ein entsprechendes Gesetz, das zuvor Senat und Repräsentantenhaus beschlossen hatten. Die Einigung kam zustande, nachdem zunehmende Störungen im Flugverkehr und Probleme bei der Finanzierung der Nahrungsmittelunterstützung für bedürftige Haushalte den Druck erhöht hatten.
Die Kernpunkte der Einigung sind:
- Die Finanzierung der meisten Regierungsbehörden wird bis zum 30. Januar 2026 sichergestellt.
- Bis zum Ende des Haushaltsjahres 2026, also bis zum 30. September, werden das Veteranenministerium, das Landwirtschaftsministerium, die Essensmarken, gewisse Unterstützungen für Mütter und Kinder und der Kongress selbst finanziert.
- Die Bundesstaaten, die während des Shutdown bestimmte Ausgaben des Bundes übernommen haben, bekommen diese erstattet.
- Die Entlassungen von Bundesangestellten, die während des Shutdown ausgesprochen wurden, werden zurückgenommen. Weitere Entlassungswellen sind bis Ende Januar untersagt.
Die etwa 700.000 zwangsbeurlaubten Angestellten der Regierung sollten daher heute an den Arbeitsplatz zurückkehren und die Behörden ihre Tätigkeit nach und nach wieder aufnehmen. Alle etwa 1,4 Millionen betroffenen Angestellten einschließlich derjenigen, die ohne Gehalt weiterarbeiten mussten, da sie als unabkömmlich klassifiziert worden waren, erhalten ihre Gehälter nachbezahlt.
Wenig Folgen fürs Wachstum
Weil die Gehälter nachbezahlt werden, dürften sich die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen des Shutdowns in Grenzen halten. So rechnet die Commerzbank unverändert damit, dass die US-Wirtschaft wegen der günstigen Finanzierungsbedingungen weiter mit Wachstumsraten um zwei Prozent expandiert.
Die genauen Auswirkungen des Shutdown wird man in den nächsten Wochen nach und nach genauer einschätzen können, wenn die zuletzt ausgefallenen Datenveröffentlichungen nachgeholt werden. Allerdings hat die Pressesprecherin des Weißen Hauses gestern bereits erklärt, dass es wahrscheinlich für Oktober weder einen Arbeitsmarktbericht noch Inflationszahlen geben wird.
Stimmungsdämpfer von der Fed?
Das ist durchaus relevant. Denn Anfang Dezember kommt wieder die Fed zusammen. Ob noch einmal die Zinsen gesenkt werden, ist momentan eh fraglich. Die Andeutungen von Fed-Chef Powell gehen ja eher in die Richtung, die Zinsen unverändert zu lassen. Ohne ein komplettes Daten-Bild steigt noch einmal aus meiner Sicht die Wahrscheinlichkeit dafür. Einige Fed-Mitglieder könnten die fehlende „Sichtbarkeit“ zum Anlass sehen, eine etwaige Zinssenkung zu vertagen, bis man wieder klarer sieht. Für die Märkte dürfte das ein Stimmungsdämpfer sein.
Europäische Aktien und Singles Day
Und hier noch zwei weitere Nachrichten, die ich heute spannend finde:
- Europäische Aktien haben die Woche stark begonnen und ein Allzeithoch für den STOXX 600 erreicht. Seit Jahresbeginn ist der Index um über 14 Prozent gestiegen. Dennoch ist die Zahl der Unternehmen mit einer überdurchschnittlichen Entwicklung im Jahr 2025 relativ gering. Zwar konnten zwei Drittel der Firmen im Index Kursgewinne verzeichnen, aber nur 46 Prozent der Indexunternehmen schnitten besser ab als der STOXX 600 selbst. Diese Breite der Wertentwicklung liegt immer noch über der des S&P 500: Dort konnte nur ein Drittel der Unternehmen die 16,4 Prozent des US-Leitindex übertreffen – eine selten niedrige Quote. Im Schnitt übertrafen in den letzten 20 Jahren etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen in Europa und den USA den Markt innerhalb eines Zwölf-Monats-Zeitraums. Die größere Marktbreite könnte ein Argument für europäische Aktien, das oft übersehen wird.
- In China ging das größte Shopping-Event des Jahres – der Singles’ Day – nach mehr als einem Monat voller Rabattaktionen zu Ende. Die erhoffte Kaufdynamik blieb jedoch weitgehend aus. Die anhaltende Immobilienkrise und Sorgen um Einkommen und Jobsicherheit drücken auf die Kauflaune – besonders bei jungen Konsumenten, die sonst für ihre Onlineshopping-Affinität bekannt sind. Um gegenzusteuern, setzten Händler auf Preisnachlässe und verlängerte Verkaufskampagnen. Diese Strategie zeigt Wirkung: Laut Branchenangaben stiegen die Umsätze gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent auf rund 1,7 Billionen Yuan beziehungsweise 206 Milliarden Euro. Allerdings liegt das Wachstum unter dem Vorjahresplus von 27 Prozent.