OpenAI vor historischem Schritt – Börsengang steht unmittelbar bevor

OpenAI vor historischem Schritt – Börsengang steht unmittelbar bevor
IMAGO / NurPhoto

Der wohl spektakulärste Börsengang der KI-Ära könnte näher sein als viele denken. ChatGPT-Entwickler OpenAI plant den IPO noch in diesem Jahr und könnte damit nicht nur die Tech-Welt-aufrütteln, sondern auch die nächste große Euphoriewelle an den Märkten auslösen.

OpenAI CEO Sam Saltman drängt bereits auf einen IPO im September 2026. Um diesen zu erreichen, arbeitet das Unternehmen mit den Investmentbanken Goldmann Sachs, Morgen Stanley und der Kanzlei Cooley an einem Börsenpaket. In einer Finanzierungsrunde wurde OpenAI zuletzt auf 852 Milliarden Dollar bewertet. Insider gehen jedoch davon aus, dass Sam Altman sogar eine Bewertung von einer Billion Dollar anstrebt.

Wettkampf um die Vormachtstellung

Grund für die Eile ist der enorme Kapitalbedarf von OpenAI in einem globalen immer stärker werdenden Wettbewerb. Denn auch die Konkurrenz schläft nicht. Neben OpenAI plant der Konkurrent Anthropic PBC einen Börsengang. Das Unternehmen plant ihren IPO im dritten Quartal 2026. Anthropic PBC wurde 2021 von dem ehemaligen Mitarbeiter von OpenAI Dario Amodei gegründet und entwickelt die Familie von großen Sprachmodellen namens Claude. Im Februar 2026 wurde das Unternehmen noch mit 380 Milliarden Dollar bewertet.

Zwischen Rekordwachstum und Milliardenverlusten

Obwohl OpenAI zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen der Wirtschaftsgeschichte zählt, steht das Unternehmen vor einer großen Herausforderung: den enormen Kosten des KI-Booms. Trotz rasant steigender Umsätze von circa 13,1 Milliarden Dollar in 2025 rechnet der ChatGPT-Entwickler auch in den kommenden Jahren mit erheblichen Verlusten. Treiber sind vor allem die gewaltigen Investitionen in Rechenzentren, Hochleistungschips und Infrastruktur. Damit belaufen sich die Nettoverluste im Gesamtjahr 2025 auf fünf Milliarden Dollar. Auch 2026 dürfte OpenAI tief in den roten Zahlen bleiben. Im ersten Quartal meldete das Unternehmen eine negative operative Marge von 122 Prozent. Das bedeutet: Für jeden Dollar Umsatz entstand zusätzlich ein operativer Verlust von 1,22 Dollar.

Damit vereint OpenAI zwei Extreme: Das Unternehmen gehört gleichzeitig zu den am schnellsten wachsenden und zu den verlustreichsten der Welt. Genau dieser Gegensatz macht einen möglichen Börsengang so spannend – und für Anleger zugleich so schwer einzuschätzen.

Zukunft der KI-Branche

Künstliche Intelligenz dürfte in den kommenden Jahren für viele Unternehmen zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden. Dieses Potenzial haben auch zahlreiche Investoren erkannt. So hat Microsoft als strategischer Partner bislang rund 13 Milliarden US-Dollar in OpenAI investiert. Hinzu kommen weitere namhafte Unterstützer: Amazon beteiligt sich mit vier Milliarden Dollar, SoftBank hat Investitionen in Höhe von bis zu 60 Milliarden Dollar zugesagt, und auch Nvidia ist sowohl als wichtiger Chip-Lieferant als auch als Investor eng mit dem Unternehmen verbunden. Darüber hinaus beteiligen sich zahlreiche institutionelle und private Anleger an den Finanzierungsrunden von OpenAI.

Der IPO zwingt OpenAI und damit auch die KI-Industrie sich finanziell transparent zu machen. Bisher wurde dieser Schritt weitestgehend vermieden. Für Wettbewerber, Regulatoren und Nutzer ist das eine positive Entwicklung. Denn nur so kann die Öffentlichkeit bewerten, ob der Hype um Künstliche Intelligenz gerechtfertigt ist.

Kritik aus eigenen Reihen

Doch nicht alle Verantwortlichen bei OpenAI teilen den Wunsch nach einem schnellen Börsengang. Während CEO Sam Altman den IPO vorantreibt, soll Finanzchefin Sarah Friar laut dem „Wall Street Journal“ intern zur Vorsicht mahnen. Sie sieht das Unternehmen organisatorisch und regulatorisch noch nicht bereit für die hohen Anforderungen und die Transparenzpflichten eines börsennotierten Konzerns.

Folgen eines OpenAI-IPO

Für Privatanleger würde ein Börsengang von OpenAI eine historische Gelegenheit schaffen. Erstmals könnten auch private Investoren direkt am Erfolg des KI-Pioniers teilhaben – bislang war dies vor allem institutionellen Anlegern und ausgewählten Venture-Capital-Fonds vorbehalten. Gleichzeitig ist Vorsicht geboten: Unternehmen mit hohen Verlusten und Bewertungen in Billionenhöhe zählen zu den risikoreichsten Investments am Aktienmarkt.

Mit dem IPO dürfte auch der Druck auf OpenAI deutlich steigen. Während bislang vor allem Wachstum im Vordergrund stand, werden Investoren künftig verstärkt auf Profitabilität achten. Mögliche Folgen könnten höhere API-Preise, eine stärkere Monetarisierung der Produkte oder Einschränkungen bei kostenlosen Angeboten sein.

Börsengang mit Signalwirkung

Auf diese Entwicklung bereitet sich das Unternehmen bereits vor. Mit dem Programm „Guaranteed Capacity“ sichert sich OpenAI langfristig Rechenkapazitäten und schafft zugleich besser planbare Einnahmen. Kunden und Partner können sich dabei feste Compute-Ressourcen über längere Zeiträume vertraglich reservieren. Solche Maßnahmen sorgen für mehr Planungssicherheit und entsprechen dem Vorgehen vieler börsennotierter Wachstumsunternehmen.

Besonders aufmerksam verfolgt die gesamte Tech-Branche die Entwicklung rund um einen möglichen Börsengang. Mit OpenAI, SpaceX und Anthropic könnten innerhalb kurzer Zeit mehrere der wertvollsten privaten Technologieunternehmen an die Börse gehen. Ein erfolgreicher Marktstart würde die Investitionsbereitschaft für KI- und Infrastrukturunternehmen weiter stärken. Sollten die Erwartungen dagegen enttäuscht werden, könnte dies die Stimmung gegenüber dem gesamten Sektor spürbar belasten.

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